ASF BRANDENBURG
Stark für Brandenburg.

100 Jahre Frauentag 1911-2011 Ohne Gleichstellung kein Fortschritt!

Das saß: Es handele sich um „die wuchtigste Demonstration für die
Gleichberechtigung der Frau, die die Welt bis jetzt gesehen hat.“, schrieb die
Sozialdemokratin Clara Zetkin 1911 in der SPD-Frauenzeitung Die Gleichheit. Die
Frauenrechtlerin hatte den Stein für den Internationalen Frauentag ins Rollen
gebracht. Eine Million Frauen gingen auf die Straße – für damalige Verhältnisse eine
unfassbar große Zahl. Sieben Jahre später führte die Sozialdemokratie das
Frauenwahlrecht ein.

Viele Namen der Wegbereiterinnen sind vergessen. Aber nicht das, was sie
geschafft haben. Denn wir sind auf dem Weg zur Gleichstellung von Frauen und
Männern weit voran gekommen.

Frauen haben selbstverständliche Rechte immer hart erkämpfen müssen. Von allein
ging nichts. Bis 1977 durften bundesdeutsche Ehemänner sogar entscheiden, ob ihre
Frauen arbeiten oder nicht. Eine Gesetzesänderung musste her.

Juristisch sind Frauen und Männer heute gleichgestellt. Nicht aber in der Realität.

Frauen verdienen bei gleichwertiger Tätigkeit 13 Prozent weniger als Männer. Gibt
es dafür etwa einen nachvollziehbaren Grund? Und in den Aufsichtsräten sitzen nur
3 Prozent Frauen. Obwohl Frauen bessere Schulabschlüsse machen und häufiger
studieren als Männer. Warum sollte sich unsere Gesellschaft das erlauben können?

Frauen müssen daher weiterhin um Selbstverständliches kämpfen. Am besten an der
Seite von Männern, die erkannt haben, wie viel Potential unser Land durch die
Benachteiligung von Frauen verschwendet.

Tage wie der Internationale Frauentag tragen zu einem Bewusstseinswandel bei.
Und diesbezüglich ist schon viel erreicht. Aber ganz ohne Gesetze geht es nicht. Das
hat die Erfahrung gezeigt. Wer auf Gutwilligkeit setzt, nimmt Stillstand in Kauf. Daher
brauchen wir eine Quote für Frauen und Männer. Mit klaren Regeln und
Zielvorgaben. Verbindlich, nicht wischiwaschi. Im Klartext: Mindestens 40 Prozent
Frauen für Aufsichtsräte und Vorstände.

Die Zeit dafür ist reif wie nie zuvor. Selbst die Union diskutiert inzwischen ernsthaft
darüber. Also lasst es uns endlich wagen: die verstaubten exklusiven Herrenklüngel
aufzumischen. Damit frischer Wind in unser Leben kommt.

Auch deshalb gehen wir wieder raus am Internationalen Frauentag.

Denn ohne Gleichstellung kein Fortschritt!

26./27. August 1910

Sozialistische Frauenkonferenz in Kopenhagen beschließt auf Antrag von Clara
Zetkin, Käte Duncker und anderen, einen Internationalen Frauentag durchzuführen
der, wie es hieß „in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient“

 
19. März 1911

Der Frauentag wird zum ersten Mal in Deutschland und vielen anderen Ländern
gefeiert.

 
.1918

Das Frauenwahlrecht wird in Deutschland eingeführt.

 
19. Januar 1919

Als erste Frau hält die Sozialdemokratin Marie Juchacz eine Rede in einem
deutschen Parlament.

 
.1921


Der Internationale Frauentag wird von der 2. kommunistischen Frauenkonferenz auf
den 8. März festgelegt.

 

.1932 angesichts drohender Kriegsgefahr findet der Frauentag sein vorläufiges Ende.
Stattdessen werden die Sozialdemokratinnen zum Kampf gegen den Faschismus
aufgerufen.

 

.1946


Der Internationale Frauentag wird in der sowjetisch besetzten Zone (spätere DDR)
wieder gefeiert.
.1947


Der erste Internationale Frauentag in den drei Westzonen Berlins steht unter dem
Motto „Frieden und internationale Arbeit“.

 

.1949


Die Sozialdemokratin und „Mutter des Grundgesetzes“, Elisabeth Selbert, setzt die
rechtlich uneingeschränkte Gleichberechtigung im Grundgesetz der Bundesrepublik
Deutschland durch.

 

1949

Mit der Gründung der DDR erhält die Gleichberechtigung von Frauen
Verfassungsrang.

 

1958 Das Gleichberechtigungsgesetz tritt auch im Ehe- und Familienrecht in Kraft.
Das Recht der (Ehe-)Frau auf Erwerbstätigkeit ist davon abhängig, ob sie sie mit ihren
Pflichten in Ehe und Familie vereinbaren kann und ob der Ehemann zustimmt. Per
Gesetz wird festgelegt, dass die Frau dafür zuständig ist, den Haushalt zu führen

 

1960er Jahre Der Traditionstag wird aufgegeben. Er gilt als „kommunistischer
Feiertag


1975 Der Internationale Frauentag wird von den Vereinten Nationen im Rahmen des
Internationalen Jahres der Frau begangen.

 

1976 / 1977 Mit dem neuen Ehe- und Familienrecht wird die Pflicht der Frauen zur
Haushaltsführung gestrichen, das Leitbild der „Hausfrauenehe“ formal aufgehoben.

 

1977 Der Internationale Frauentag wird offiziell zum Tag der Vereinten Nationen für
die Rechte der Frau und den Weltfrieden.

 

1978 Die Sozialistische Fraueninternationale greift den Gedanken des Frauentages
wieder auf.

 

1982 Die ASF ruft zum Internationalen Frauentag auf. Eine Veranstaltung in Essen
steht unter dem Motto “Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter“

 

1988 Der Frauentag steht ganz im Zeichen der Debatten um ein neues SPD-
Grundsatzprogramm. Im gleichen Jahr beschließt der SPD-Parteitag in Münster die
Quote.

 

1989 Friedliche Revolution in der DDR

 

1990/91 Am 3. Oktober 1990 tritt die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei. 1991
feiern Ost- und Westfrauen den Frauentag zum ersten Mal gemeinsam in Berlin.

 

1992 steht der Frauentag im Zeichen der Situation der Frauen in den neuen
Bundesländern.

 

1994 Der Gleichheitsgrundsatz in Artikel 3 des Grundgesetzes wird durch den Zusatz
der Frauenförderung als ein Staatsziel, nach dem die Gleichberechtigung tatsächlich
durchgesetzt werden soll, ergänzt.

 

2000 Selbstbewusst lautet das ASF-Motto „Frauenpolitik ist innovative
Gesellschaftspolitik!“

 

2010 „Gleichstellung jetzt!“ fordert die ASF zum Frauentag und verweist auf ihren
gleichnamigen „Aktionsplan Gleichstellung jetzt!“

 

2011 mit zahlreichen Veranstaltungen erinnern Parteien, Gewerkschaften,
Frauenorganisationen, Gleichstellungsstellen an 100 Jahre Frauentag