ASF BRANDENBURG
Stark für Brandenburg.

Mehr Netto vom Brutto für Frauen Wie funktioniert das Ehegattensplitting?

Das Ehegattensplitting ist eine steuerliche Vergünstigung für verheiratete, heterosexuelle  Paare. Das Einkommen der Eheleute wird gemeinsam veranlagt: Dadurch werden der Grundfreibetrag und andere steuerliche Abzugsbeträge verdoppelt. Der Splittingtarif mindert die Progressionswirkung des Steuertarifsystems. Der finanzielle Vorteil fällt umso höher aus, je ungleicher die Eheleute zum Einkommen des Haushaltes beitragen und je höher das Bruttohaushaltseinkommen ist. Bereits bei einem geringen zweiten Einkommen sinkt der Splittingvorteil erheblich.
Doch wer weiß schon, wie das Ehegattensplitting funktioniert und wer davon profitiert?

Das Ehegattensplitting entstand in der Bundesrepublik der 50er Jahre, als die Hausfrauenehe „Mode“ war. In Brandenburg leben und arbeiten Leute ganz anders.
Gern wird das Ehegattensplitting als familienpolitisches Instrument gerechtfertigt, denn, so die Befürworter, die finanzielle Entlastung kommt überwiegend Ehen mit Kindern zu Gute. Das Problem ist, dass die Voraussetzung für das Ehegattensplitting die Ehe und nicht die Familie ist. Alleinerziehende und nicht verheiratete Eltern, die inzwischen ein Viertel aller Eltern-Kind-Gemeinschaften bilden – in Brandenburg noch viel mehr! - sind von den finanziellen Entlastungen des Splittings ausgeschlossen.
Zudem werden auch verheiratete Elternpaare sehr ungleich gefördert, denn die steuerliche Entlastung hängt nicht von der Anzahl oder dem Alter der Kinder ab, sondern allein vom Unterschied zwischen den Einkommen der Eheleute. Sind beide Ehepartner erwerbstätig und verdienen in etwa gleich viel, ist die steuerliche Entlastung, auch wenn Kinder im Haushalt leben, gleich Null. Auch verheiratete Eltern mit geringem Einkommen werden nicht oder nur minimal entlastet.
Die finanziellen Entlastungen aus dem Ehegattensplitting sind auch sehr ungleich auf Ost und West verteilt. Ca. 93 Prozent des Splittingvolumens fließen in die alten Bundesländer.
Die Gründe für die ungleiche Entlastung liegen in der höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen, insbesondere auch von Müttern und insgesamt niedrigeren Einkommen in den neuen Bundesländern. Darüber hinaus sind in Ostdeutschland die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern deutlich geringer. Das Ehegattensplitting führt dazu, dass die größere Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern in den neuen Bundesländern geringere finanzielle Steuervorteile bietet. Zentrale Ziele der europäischen und deutschen Arbeitsmarktpolitik wie Lohngleichheit und eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen werden damit durch das Ehegattensplitting konterkariert.
Wir brauchen ein besseres Steuersystem, das Ehegattensplitting muss abgeschafft werden!
Prof Dr. Christine Färber, ASF Landesvorsitzende